Online-Shop in Serbien gründen – Rechtliche Anforderungen 2026
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Online-Shop in Serbien gründen – Rechtliche Anforderungen 2026

Ratgeber · Exgentum · Serbien

Wer in Serbien einen Online-Shop betreiben will – ob als Expat, serbischer Gründer oder DACH-Unternehmer mit serbischer Niederlassung – braucht einen Überblick über das serbische E-Commerce-Recht, die Steuerstruktur und die praktischen Anforderungen an grenzüberschreitenden Online-Handel.

Unternehmensform für Online-Shops in Serbien

Für einen Online-Shop in Serbien gelten dieselben Unternehmensoptionen wie für andere Tätigkeiten:

Rechtliche Grundlagen für E-Commerce in Serbien

ZDPL — Was ist das?

ZDPL steht für "Zakon o digitalnoj trgovini i elektronskim platformama" — das serbische Gesetz über digitale Handelsplattformen und Marktplätze, das 2024 in überarbeiteter Form in Kraft trat. Es betrifft alle Betreiber digitaler Verkaufsplattformen und ergänzt das allgemeine E-Commerce-Gesetz:

Reine Einzelhandel-Shops (eine Firma verkauft eigene Produkte) sind weniger betroffen — primär trifft ZDPL Marktplatz-Modelle wie KupujemProdajem, Limundo, Olx Serbia und ähnliche.

Gesetz über elektronischen Handel (Zakon o elektronskoj trgovini)

Serbien hat ein eigenes E-Commerce-Gesetz, das die wichtigsten Anforderungen definiert:

Verbraucherschutzgesetz (Zakon o zaštiti potrošača)

Für B2C-Shops (an Endverbraucher) gelten besondere Schutzvorschriften:

Für digitale Produkte und Dienstleistungen (Software, Downloads, Abonnements) gelten Sonderregeln – das Widerrufsrecht kann unter bestimmten Bedingungen ausgeschlossen werden.

Steuerliche Anforderungen für Online-Shops

PDV (Mehrwertsteuer)

Die PDV-Behandlung hängt davon ab, was Sie verkaufen und an wen:

KundensegmentPDV-Behandlung
Serbische Endkunden (B2C)20% PDV (wenn PDV-pflichtiger Umsatz)
Serbische Unternehmen (B2B)20% PDV (Reverse Charge möglich wenn Vertrag)
EU-Kunden (B2B)0% (Export), Reverse Charge beim Empfänger
EU-Kunden (B2C, digitale Produkte)Serbische PDV nicht fällig; EU-OSS-Regelung für Empfänger prüfen
Physische Waren ins Ausland0% (Export) wenn Zollausfuhr nachgewiesen

Wichtig: Serbien ist kein EU-Mitglied, daher gilt kein EU-OSS-Verfahren. Serbische PDV ist für Exporte in der Regel nicht fällig.

Körperschaftsteuer / Einkommensteuer

Zahlungsabwicklung für serbische Online-Shops

Die Zahlungsinfrastruktur für Online-Shops in Serbien hat Besonderheiten:

Lokale Zahlungsmethoden

Internationale Zahlungen

Import aus DACH: Praxis und Logistik

Wenn Sie als serbischer Online-Shop Waren aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz beziehen — etwa als Reseller oder Direktimport für Endkunden — gibt es zwei praktische Wege:

Steuerliche Konsequenz für Ihren Shop: Bei Direktimport zahlen Sie Einfuhrumsatzsteuer (PDV 20 %) auf den Warenwert + Zoll je nach Tarifnummer. Bei reinem Drop-Shipping mit ausländischem Versender liegt die Pflicht beim Endkunden (er erhält die Ware verzollt) — Ihr Shop ist quasi nur Vermittler.

Praxis-Empfehlung für den Start: Drop-Shipping über etablierte Logistiker (DHL Cross-Border, GLS Serbia, AKS) testen, bevor man eigene Lager- und Importstrukturen aufbaut.

Zoll und Import für Warenhandel

Wenn Sie physische Waren nach Serbien importieren und weiterverkaufen:

Für Digitalgüter (Software, Downloads, SaaS) gibt es keinen Zoll – nur PDV/EST ist relevant.

Datenschutz und Cookies

Serbien hat ein eigenes Datenschutzgesetz (Zakon o zaštiti podataka o ličnosti), das der DSGVO stark ähnelt:

Praktisches Setup für einen Online-Shop in Serbien

  1. d.o.o. oder Preduzetnik gründen (je nach Volumen)
  2. Geschäftskonto mit Fremdwährungsoption eröffnen
  3. Payment Gateway einrichten (Stripe oder lokales Gateway je nach Zielmarkt)
  4. Impressum, AGB, Datenschutz auf Website einpflegen
  5. Buchhalter für laufende Steuermeldungen einrichten
  6. Bei Warenlager: Zollnummer bei serbischen Zollbehörden beantragen

Fazit

Ein Online-Shop in Serbien ist gut etablierbar – das rechtliche Rahmenwerk ist EU-ähnlich, die Steuerbelastung gering und die Zahlungsinfrastruktur mit Stripe und lokalen Gateways praxistauglich. Der wichtigste Unterschied zu Deutschland: kein EU-OSS, eigene PDV-Grenzen, eigene Verbraucherschutzregeln. Mit einem guten Buchhalter und einem soliden Rechtsfundament sind die Hürden überschaubar.

Weiterführend:

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